luca-App auf dem Vormarsch

Immer mehr Lokale und Geschäfte nutzen die Kontaktrückverfolgung per Luca-App.

Nach monatelangem Lockdown möchten Geschäfte und Gastronomie ihre Pforten wieder für die Besucher öffnen. Wie schon in bei den letzen Lockdowns werden die Betriebe vermutlich wieder verpflichtet, Kundendaten zu erfassen und Besucherlisten zu führen. Denn die Kontaktrückverfolgung ist für das Nachverfolgen von Infektionsketten unabdingbar. Die bisherigen Zettel oder Listen, oft schlecht lesbar oder mit Fantasienamen und Adressen ausgefüllt, waren für die Gesundheitsämter meist wenig hilfreich.

Zahlreiche Kulturschaffende haben sich zum Ziel gesetzt, die bisherige Zettelwirtschaft zu vermeiden. Bekanntestes Gesicht im Zusammenhang mit der luca-App ist wohl Rapper Smudo, der die App auch für den Kulturbereich als schnelle Check-In-Möglichkeit angepriesen hat. Entwickelt wurde die Anwendung von der Berliner Firma Nexenio.

Für iOS und Android verfügbar

Die App ist sowohl für Google Android wie auch für Apples iOS verfügbar. Nutzer von Android müssen mindestens über die Version 5.0 ihres Mobiltelefon-Betriebssystems verfügen. Für iOS setzen die Entwickler iOS 12.0 voraus, um sie herunterladen zu können. Auch wenn die Anwendung installiert und eingerichtet ist, hängt es vom jeweiligen zuständigen Gesundheitsamt ab, ob sie auch genutzt werden kann.

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Wer keine App installieren möchte: luca lässt sich auch über den Browser des Smartphones aufrufen. Dort kann man auch checken, ob die App in der jeweiligen Region in Gebrauch ist.

Für den Nutzer auf seinem Smartphone oder per Web-App ist die Nutzung kostenlos.

Ergänzung zur Corona-Warn-App

Luca dient als Ergänzung zur Corona-Warn-App (CWA), die weiterhin eine wichtige Rolle in der Pandemiebekämpfung spielen soll. Datenschutz steht bei der CWA an zentraler Stelle. Sie arbeitet ohne personenbezogene Daten, der Nutzer bleibt auch dem Gesundheitsamt gegenüber vollkommen anonym.

Die CWA läuft selbstständig im Hintergrund, nutzt Bluetooth und soll Nutzer über ein mögliches Infektionsrisiko informieren, falls eine infizierte Person in der Nähe ebenfalls die CWA-App nutzt. Allerdings muss dafür auch das positive Ergebnis durch den Nutzer in der App hinterlegt werden.

Bisher glänzte die CWA-App allerdings nicht in allen Disziplinen. Obwohl regelmäßig überarbeitet und mit breiter Akzeptanz durch mehr als 26 Millionen Downloads dauert es oft Tage, bis ein positives Testergebnis in der App verfügbar ist und Personen in der Umgebung warnt. Auch von schnellerer Akku-Entladung, Abstürzen oder Nichtaktualisierung liest man immer wieder in den Rezensionen der Apps.

Wie funktioniert luca?

Die Hinterlegung von Name, Adresse und Telefonnummer im Restaurant oder bei Veranstaltungen erfolgen nicht mehr auf einen Zettel, sondern Nutzer der App registrieren sich digital. Über einen QR-Code bekommen sie einen virtuellen Schlüssel auf ihr Smartphone – damit loggen sie sich beim Veranstalter, beim Einzelhändler oder im Lokal ein.

Mit dem Scan ist der größte Teil der Arbeit getan. Denn eine sogenannte Geofencing-Erkennung sorgt dafür, dass diejenigen, die eine Bar, ein Restaurant oder eine Veranstaltung verlassen, automatisch auschecken – zumindest, wenn sie einen vordefinierten Radius verlassen.

Gastronomen oder Veranstalter haben keinen Zugriff auf die hinterlegten Daten, das jeweilige Gesundheitsamt vor Ort allerdings schon. Wird von einem Nutzer über ein TAN-Verfahren ein Corona-Fall gemeldet und damit die Besuchshistorie für das Gesundheitsamt freigegeben gleicht das System ab, mit wem die infizierte Person in den vergangenen 14 Tagen Kontakt hatte, informiert die betroffenen Restaurants oder Veranstalter und kann deren Daten für den betreffenden Zeitraum anfordern. Nach 14 Tagen werden die Daten gelöscht.

Durch die Vernetzung wird den Gesundheitsämtern auch ein Instrument in die Hand gegeben, andere Besucher direkt zu informieren.

Luca-Funktionsweise
Die Datenübermittlung erfolgt verschlüsselt. (Foto: luca)

Für private Treffen bietet die App ebenfalls Chancen. Nutzer haben die Möglichkeit, eigene QR-Codes per App zu erstellen und anschließend mit Freunden oder Familienmitgliedern zu verknüpfen. So lassen sich auch private Kontakte ohne Zettelwirtschaft nachvollziehen.

Bei luca muss der Nutzer selbst aktiv werden

Dateneingabe Luca-App
Bei der luca-App hinterlegt der Nutzer seine Kontaktdaten und bestätigt die Richtigkeit der Eingaben mit einer per SMS zugesandten TAN-Nummer. (Foto: Luca)

Voraussetzung für die Nutzung der App ist, das der Nutzer seine Kontaktdaten in der App korrekt hinterlegt. Nach der Eingabe der Telefonnummer bekommt der User eine TAN, mit der die App zur Nutzung freigeschaltet wird. Also muss für die Nutzung zumindest die Telefonnummer verifizierbar sein.

Im Falle einer Infektion kann der Nutzer dem Gesundheitsamt mitteilen, das er die luca-App nutzt und per TAN-Verfahren für das Gesundheitsamt freigeben. Das wiederum kann von Lokalbetreibern die verschlüsselten Daten anforndern und so erfahren, wer sich möglicherweise einem Ansteckungsrisiko ausgesetzt hat.

Noch nicht alle Gesundheitsämter sind dabei

Während Mecklenburg-Vorpommern bereits die Vorreiterrolle übernommen und eine Lizenz der App gekauft hat, Berlin ebenfalls dabei ist und auch Bremen die luca-Daten nutzen möchte, damit alle Lokale und Einzelhandelsunternehmen eine zuverlässsige, einfache und anonyme Kontaktrückverfolgung nutzen können wird aktuell auch in Niedersachsen über die Nutzung nachgedacht.

Neben Wilhelmshaven hat auch der Landkreis Emsland in einem Facebook-Post angekündigt, die Lokalbetreiber beim Einsatz der luca-App unterstützen zu wollen.

Mecklenburg-Vorpommern ist derweil schon einen Schritt weiter. Noch müssen die Händler die anonymisierten Daten auf ihren Endgeräten verwalten. Das soll sich aber ändern, sobald die Gesundheitsämter ihre Systeme aktualisiert haben. Dann sollen die Syteme angepasst und die Daten zentral auf einem gesicherten Server der Bundesdruckerei hinterlegt werden. Daran wird derzeit mit Hochdruck gearbeitet, heißt es von der Landesregierung dazu. Neben zahlreichen Betreibern von Lokalen und Einzelhandelsgeschäften will das Bundesland in Kürze auch Arztpraxen, Friseursalons und Fitnesstudios sowie Schulen und Kitas mit dem neuen Sytem vertraut machen.

Anonym einchecken

Die bisherige Praxis, einen Zettel oder eine Liste mit seinen Kontaktdaten auszufüllen, die vom Personal oder Betreiber des Lokals oder Geschäfts einsehbar war, stieß bei vielen Menschen auf Bedenken. Umso häufiger saß man mit „Batman“, „Micky Maus“ oder „Max Mustermann“ im selben Lokal. Mit Luca lässt sich vollkommen anonym einchecken.

Wer erkrankt und positiv getestet wird, kann beim Gesundheitsamt angeben, dass er die luca-App nutzt und seine Kontakthistorie per TAN für das Gesundheitsamt freigeben. Andere Besucher können per App ebenfalls gewarnt werden. Grundlage hierfür bleibt aber immer noch die Risikobewertung durch die Gesundheitsämter.

luca ist nicht die erste App zur Kontaktrückverfolgung

Neben Luca gibt es bereits zahlreiche Apps zur Kontaktrückverfolgung. Neben Vida, darfichrein und shapefruit gibt es bereits zahlreiche weitere Apps. Mit der Anzahl der Apps dürfte aber wohl auch die Akzeptanz sinken, denn kaum jemand möchte ein Dutzend „Check-In-Apps“ auf seinem Smartphone haben.
Einen weiteren Nachteil haben allerdings alle Apps gemeinsam: Eine gemeinsame Schnittstelle für die Datennutzung durch die Gesunheitsämter existiert bisher nicht, was die Arbeit der Nachrückverfolgung erheblich erschweren dürfte.

Datenschutz ist auch hier ein Thema

Datenschützer fordern eine gesetzliche Grundlage für die Nutzung der App. Vor allem müsse per Gesetz ein „absolutes Zweckänderungsverbot“ erlassen werden, sagte der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar. Eine solches Zweckänderungsverbot existiert beispielsweise für die Nutzung aus Daten der LKW-Maut durch die Polizei.

luca ist keine behördliche App, jedoch wollen die Betreiber die Schnittstellen der Behörden nutzen bzw. eigene Schnittstellen anbieten und die Systeme der Ämter anbieten.

Verschiedene Datenschützer haben allerdings einige Mängel festgestellt. So sind die zentrale Struktur der Datenspeicherung, die Verschlüsselung sowie das Geofencing den Datenschützern ein Dorn im Auge. Auch das der Quellcode des Anbieters culture4life nicht offengelegt wurde, war bisher ein Argument gegen die App. Hier will der Anbieter aber Ende März nachbessern. Ebenfalls, so versichert der Betreiber, liegen die vorhandenen Daten verschlüsselt auf deutschen Servern und seien nur durch die Gesundheitsämter entschlüsselbar, um eine kommerzielle Nutzung auszuschließen.

Corona-Warn-App soll ein Upgrade erhalten

Die Version 2.0 der Corona-Warn-App der Bundesregierung soll mit einem kommenden Update auf die Version 2.0 eine Check-In-Funktion per QR-Code bekommen. Noch ist allerdings unklar, wann das Update ausgerollt werden soll.

Fluch oder Segen

Wer keine App nutzen will oder kann, dem muß natürlich weiterhin die Möglichkeit gegeben werden, seine Daten auf einen Zettel oder eine Liste zu schreiben. Überhaupt scheint es unmöglich, die Kontaktrückverfolgung mit hundertprozentigem Datenschutz in Einklang zu bringen. Eine Diskussion, die wohl noch länger geführt werden wird. Allerdings ermöglicht eine schnelle Auffindung von Hotspots oder Infektionsketten zeitgleich einen Schritt in die Normalität mit geöffneten Bars und Restaurants.

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